Mittwoch, 14. Juli 2010

Schlierenzauer beeindruckt Toni

Der Nordische Rennsportdirektor Toni Innauer im Interview über die Situation bei der Vierschanzentournee, "Wunderkind" Schlierenzauer und seinen Sohn Mario, der die Qualifikation für Innsbruck schaffte.

VN: Warum wird ein Skisprung- Bewerb bei Bedingungen wie in Garmisch- Partenkirchen durchgeführt?

Innauer: „Weil das Neujahrsspringen einer der wichtigsten Termine des gesamten Jahres ist. Und dieser Tatsache wurde am Montag nachgegeben. Ich bin glücklich, dass die Tournee nicht so entschieden wurde, es ist noch alles offen. Mit Andreas Küttel hat es schließlich auch einen verdienten Sieger gegeben.“

VN: Ist Gregor Schlierenzauer ein Wunderkind?

Innauer: „Wunderkind ist nur die poetische Umschreibung dafür, dass man es mit einem vor allem motorisch hoch begabten Menschen zu tun hat. Gerade Gregors Leistung in Garmisch ist sehr hoch zu werten. Ganz anders als in Oberstdorf hatte er es nämlich nicht selbst in der Hand, konnte nicht alles selbst entscheiden. Und das ist für so einen Himmelsstürmer nicht leicht.“

VN: Wird Schlierenzauer die Tournee gewinnen?

Innauer: „Ich gehe von meiner ursprünglichen Meinung auch jetzt nicht ab. Wenn er in den kommenden zwei Wettkämpfen souverän auftritt, bin ich sehr zufrieden. Sicher kann er die Tournee gewinnen, bis jetzt hat er alles super gemacht. Aber man muss abwarten, wie er die kumulativen Belastungen verarbeitet. Man wird sehen.“

VN: Das ehemalige Wunderkind Toni Nieminen hat eine Organisation wie im ÖSV, die er nicht genossen hat, als großes Plus von Schlierenzauer bezeichnet.

Innauer: „Damit hat er sicher nicht unrecht. Gregor ist bei uns in einer guten Gruppe. Wir helfen ihm dabei, so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen. Was den Rummel um seine Person betrifft, wollen wir beides: Einerseits die Öffentlichkeit, denn ein solches Phänomen ist für den Sport natürlich sehr wertvoll. Andererseits soll es aber in einem kalkulierbaren Ausmaß bleiben.“

VN: Wie beurteilen Sie die Entwicklung der „Arrivierten“ wie Thomas Morgenstern, Andreas Kofler und Co.?

Innauer: „Sie spielen momentan das alte Spiel aller hochtrainierten Sportler - das Warten auf die Höchstform. Es geht aber spürbar aufwärts. Gerade Morgenstern hat bei der Tournee bisher einen großen Schritt vorwärts gemacht. Sein Sprung in Garmisch war eigentlich ein Podestsprung.“

VN: In Innsbruck ist die junge Garde um Mario Innauer, Arthur Pauli und Manuel Fettner mit von der Partie. Was erwarten Sie von ihnen?

Innauer: „Es geht für alle in erster Linie darum, sich für den Hauptbewerb zu qualifizieren. Und das traue ich ihnen unter normalen Bedingungen auch zu. Sie befinden sich jetzt im Bereich der erweiterten Weltspitze.“

VN: Sind Sie für Ihren Sohn Mario Vater, Trainer und Ratgeber in einer Person?

Innauer: „Nein, seine Trainer begleiten die Geschichte wie bei jedem anderen auch. Wenn er das Gefühl hat, dass er mit mir über manche Sachen reden will, dann macht er das auch. Es ist dann aber mehr ein Meinungsaustausch. Ein 17- jähriger Sportler hat ja schon eine ganz eigene Persönlichkeit.“

VN: In Norwegen wurde der Installateur Anders Jacobsen bei einer Kadersichtung entdeckt. Wäre ein solcher Fall in Österreich denkbar?

Innauer: „Zur Zeit sicher nicht, weil wir in unseren Kadern sehr viele Leute sehr lange begleiten und betreuen. Mit unserer speziellen Kaderstruktur würden wir solche Leute bereits viel früher auffangen.“

Der 48- jährige Toni Innauer gewann 1980 als 21- Jähriger Olympisches Gold auf der Normalschanze in Lake Placid. Vier Jahre zuvor holte der Bezauer Silber auf der Großschanze.
Einen Fall „Jacobsen“ ist für Innauer in Österreich undenkbar.

Alonso: Red Bull als erste Option

Ein Sensationstransfer könnte sich in der Formel 1 anbahnen. Laut der spanischen Sportzeitung "AS" stehen Doppelweltmeister Alonso vier Optionen offen, Red Bull steht dabei an der Spitze.

Wenn der Spanier von McLaren aus seinem Vertrag entlassen wird, dann seht das Team des Energiegetränke- Herstellers an oberster Stelle seiner Wunschliste. Dort wäre wohl David Coulthard der Leidtragende, Mark Webber würde dann Alonsos Stallgenosse werden - und die beiden sind bereits außerhalb der Rennpiste gute Freunde.

Für Red Bull sprechen natürlich auch die ausgezeichneten monetären Sicherheiten im Dosenimperium von Didi Mateschitz. Dass im Team auch die Alonso bestens bekannten Renault- Motoren eingesetzt werden, könnten ein zusätzlicher Pluspunkt sein.

Die zweite Option ist laut "AS" Toyota. Gegen das japanische Team spricht dessen schlechte Organisation, doch die Zukunftsaussichten sind hier durchaus positiv, vor allem mit einem Weltmeister an Bord würde auch der Markt weiter wachsen.

Natürlich ist auch Renault weiter an Fernando Alonso interessiert und auch Williams gegenüber wäre der Spanier nicht abgeneigt. (Quelle: AS)

Gewalt begleitete Wiener Derby

Das Fußball- Derby zwischen Austria Wien und dem SK Rapid am Sonntag im Favoritner Horr- Stadion war von Gewalt begleitet: Es gab vier Verletzte und mehr als zehn Festnahmen.

Zunächst warfen Fans der Violetten etwa Mitte der ersten Halbzeit bengalische Feuer auf Rapid- Tormann Helge Payer. Das Spiel war für mehrere Minuten unterbrochen. In weiterer Folge lieferten sich Rapid- Anhänger heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei. Ein Beamter der Wiener Einsatzgruppe Alarmabteilung (WEGA), ein Linienrichter und zwei Fans wurden laut einer Polizeisprecherin verletzt.

Der Polizist erlitt einen Naseinbeinbruch, nachdem ihn grün- weiße Gewalttäter mit Fußtritten traktiert hatten. Der Linienrichter erlitt ein Knalltrauma. Es gab mehr als zehn Festnahmen, auch nach dem Spiel kam es zu Auseinandersetzungen unter den Fans.

Schwere Ausschreitungen gab es vor allem im Sektor des Rapid- Anhangs: Nach Informationen der Einsatzkräfte begannen gewaltbereite Hütteldorfer unabhängig von den Aktionen der Austria- Fans gegen den Goalie der Grün- Weißen, Helge Payer, zu randalieren. Polizisten hatten versucht, betrunkene Fans zur Räson zu bringen, die mit Bier um sich geschüttet hatten und damit eine Konfrontation auszulösen drohten. Das brachte die Grün- Weißen in Rage: Die Fans warfen Fahnen auf die Beamten. Die Wurfgegenstände wurden von der Exekutive konfisziert.

Dass die Fahnen im Besitz der Polizei waren, wollten die Gewalttäter nicht hinnehmen. Sie zerlegten die Bänke des Gästesektors und warfen die Teile auf die Beamten. Die WEGA stürmte daraufhin in den Sektor. Dabei wurden zwei der Beamten bei einer Attacke der Fans verletzt, einer davon erlitt einen Nasenbeinbruch. Die Lage beruhigte sich zunächst aber.

Auf Videobildern identifizierte die Exekutive einige der Hooligans. Nach der Pause kam es zu weiteren Ausschreitungen der Rapid- Fans, die wieder mit abmontierten Bänken die Einsatzkräfte bewarfen. Insgesamt gab es zunächst elf Festnahmen, gegen fünf dieser Gewalttäter wurden Haftbefehle erlassen.

Nach dem Spiel trafen die Fans beider Mannschaften am Verteilerkreis aufeinander. Sie schossen Leuchtkörper gegen die jeweils andere Gruppe, es soll auch zu Raufereien gekommen sein. In weiterer Folge beruhigte sich die Lage aber.

Am Abend nahm die WEGA einen weiteren Verdächtigen fest, der sich an den Angriffen gegen einen der verletzten Polizisten beteiligt haben könnte. Er wurde in einem Lokal auf der Linken Wienzeile angetroffen und soll auf Aufnahmen zu sehen sein, wie er den Beamten mit Fußtritten traktierte. Die Zahl der Festnahmen erhöhte sich damit auf zwölf, auch gegen diesen Hooligan wurde ein Haftbefehl erlassen.

„Entsetzt“ zeigte sich Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka (V) über die Ausschreitungen. „Gegen solche Rowdies muss man streng vorgehen, will man das positive Bild des österreichischen Fußballs nicht gefährden. Hier muss ein Exempel statuiert werden“, forderte der Politiker.

Schon vor dem Spiel war es zu einer Novität gekommen: Der Anhang des SK Rapid war erstmals als angemeldeter Demonstrationszug zum Derby gegen die Austria ins Franz- Horr- Stadion in Favoriten gezogen. Zunächst versammelten sich rund 1.000 Grün- Weiße am Stephansplatz in der City und schossen zunächst Böller und Raketen ab. Auch einige Flaschen wurden geworfen. Danach fuhren die Anhänger mit der U- Bahn zum Reumannplatz. Über die Laxenburger Straße marschierten sie zum Favoritner Verteilerkreis.

Auf das offizielle Demo- Motto, ein Protest gegen die Verkommerzialisierung des Fußball, deuteten keine Sprechchöre hin. Hingegen zündeten sie weitere pyrotechnische Gegenstände, ein Pkw wurde beschädigt.

Tamira Paszek ausgeschieden

Das Abenteuer Australian Open ist für Tamira Paszek beendet. Die 16- jährige Vorarlbergerin verlor in der zweiten Runde glatt 1:6,3:6 gegen die als Nummer 22 gesetzte Russin Vera Zwonarewa.

Österreichs Tennis ist in den Einzelbewerben bei den Australian Open in Melbourne nicht mehr vertreten: Für Grand- Slam- Debütantin Tamira Paszek kam am Donnerstag in der zweiten Runde das Aus. Die Vorarlbergerin musste sich der als Nummer 22 gesetzten Russin Vera Zwonarewa nach 61 Minuten mit 1:6,3:6 geschlagen geben. Paszek bleibt allerdings in Melbourne und spielt im Juniorinnenbewerb weiter.

"Sie hat einen unglaublichen ersten Satz gespielt. Ich konnte zu Beginn machen, was ich wollte, sie hatte immer die bessere Antwort. Im zweiten Satz habe ich über den Kampf ein wenig besser ins Spiel gefunden, aber sie hat das gesamte Match auf einem sehr hohen Niveau gespielt", stellte Paszek fest. Die Statistik unterstrich diesen Eindruck: Zwonarewa feuerte nicht weniger als 26 Winner ab und verbuchte damit fast die Hälfte ihrer insgesamt 62 Punkte. Satz 1 war nach nur 21 Minuten an Zwonarewa gegangen. Den zweiten hielt Paszek bis ins siebente Game offen. Die Dornbirnerin ließ aber bei 3:2 und Aufschlag Zwonarewa ein 0:30 ebenso ungenützt wie beim Stand von 3:3 eine 40:0- Führung bei eigenem Aufschlag.

Es gab aber freilich keinen Grund zum Jammern: "Ich habe bei meinem ersten Grand- Slam- Turnier die Qualifikation geschafft und fünf Matches absolviert. Das war eine super Woche für mich, in der ich viel Selbstvertrauen und Erfahrung gesammelt habe. Das Spiel gegen Zwonarewa hat mir aber auch gezeigt, woran ich in Zukunft noch arbeiten muss. Speziell in Sachen Fitness ist noch einiges zu tun", befand Österreichs große Tennis- Hoffnung. Mit den 91 gesammelten Punkten wird sie sich von Platz 187 in die Top 130 schieben und ähnlich wie Yvonne Meusburger (129.) platziert sein. Für den Einzug in Runde 2 gab es 18.140 Euro, also mehr Geld als für ihren Turniersieg in Portoroz.

In der zweiten Runde stehen Julian Knowle/Julian Melzer im Doppelbewerb. Die als Nummer 10 gesetzten Österreicher bezwangen die russischen "Igors" Andrejew/Kunitsin 6:4,6:4. Für Sybille Bammer kam nach dem Einzel auch an der Seite von Eva Birnerova (CZE) im Doppel das Aus. Das Duo unterlag Tszwetana Pironkowa/Martina Sucha (BUL/SVK) 4:6,6:3,3:6.

Fußball zum Abgewöhnen gegen Japan

Kein einziger österreichischer Torschuss in 90 Minuten: Ein ganz schwaches Fußball- Nationalteam besiegte Japan nach 90 torlosen Minuten im Elfmeterschießen.


Die Fußball- Nationalmannschaft hat am Freitagabend auf dem Weg zur Heim- EM 2008 einen Rückschlag hinnehmen müssen. Die Österreicher boten bei der Eröffnung des neuen EURO- Stadions in Klagenfurt vor 26.142 Zuschauern eine äußerst schwache Leistung, besiegten Japan allerdings im Elfmeterschießen mit 4:3. Davor waren die Japaner die überlegene Mannschaft, die Österreicher im wahrsten Sinne des Wortes chancenlos.

Im Elfmeterschießen trafen die ersten vier Schützen Linz, Aufhauser, Standfest und Garics. Bei den Japanern scheiterte der Konno an ÖFB- Schlussmann Payer und Nakazawa an der Latte. Bereits mit dem fünften Penalty hätte Martin Hiden alles klar machen können, der Rapid- Verteidiger traf in seinem ersten Länderspiel als ÖFB- Kapitän aber ebenfalls die Querlatte.

Davor waren die meisten Österreicher Totalausfälle gewesen. Im Gegensatz zum Tschechien- Spiel wollte den Österreichern nach vorne gar nichts gelingen. Die Japaner waren nicht nur technisch und spielerisch klar überlegen, sondern auch die spritzigere Mannschaft und drängten die ÖFB- Elf durchgehend in die eigene Hälfte. Die erste Großchance folgte aus einer Standardsituation. Payer faustete einen Freistoß Tanaka vor die Beine. Dieser traf aber nur das Lattenkreuz (22.). Während die Japaner durch Celtic- Superstar Shunsuke Nakamura in der Nachspielzeit eine weitere Topchance vorfanden (46./Payer parierte), gaben die Österreicher im gesamten Spiel nicht einen Schuss aufs Tor ab.

Selbst eine Kabinenpredigt von Teamchef Josef Hickersberger änderte wenig an der fehlenden rot- weiß- roten Laufbereitschaft. Japan hätte neuerlich durch Tanaka verdient in Führung gehen können, der schoss aber drüber (48.). Versuche von Nakamura fielen zu unpräzise (16.) oder zu schwach aus (57.). Jungstar Martin Harnik wurde in der 75. Minute eingewechselt, der Bremen- Legionär schied aber wenige Minuten später mit einer Knöchelverletzung aus.

Am Dienstag trifft Österreich zum Abschluss des "Turnier der Kontinente" in Wien auf Chile. Die Südamerikaner hatten sich am Freitag im Ernst- Happel- Stadion der Schweiz mit 1:2 geschlagen geben müssen.

Josef Hickersberger (ÖFB- Teamchef): "Es war eine ganz schlechte Leistung. Ich habe keinen Fußball von uns gesehen und wir haben auch taktisch sehr schlecht gespielt. Wir haben uns auf den Gegner nicht einstellen können und es war auch viel zu wenig Bewegung im Spiel. Jeder hat gesehen, dass Japan eine Klasse stärker war als wir."
Ivica Osim (Japan- Teamchef): "Wir haben ein sehr schönes Stadion gesehen. Das österreichische Team hat noch viel Platz, Fortschritte zu machen."

Österreich - Japan: 0:0, 4:3 nach Elfmeterschießen
Wörthersee- Stadion, 26.142 Zuschauer (ausverkauft), SR Merk
Elfmeterschießen: Linz trifft - 1:0, S. Nakamura trifft - 1:1, Aufhauser trifft - 2:1, Endo trifft - 2:2, Standfest trifft - 3:2, K. Nakamura trifft - 3:3, Garics trifft - 4:3, Konno scheitert an Payer - 4:3, Hiden an die Latte - 4:3, Nakazawa an die Latte - 4:3
Österreich: Payer - Garics, Prödl, Martin Hiden, Fuchs - Standfest, Aufhauser, Mörz (59. Linz), J. Säumel (85. Salmutter), Leitgeb - Kuljic (75. Harnik/84. Prager)
Japan: Kawaguchi - Kaji, Nakazawa, M. T. Tanaka, Komano (91. Konno) - S. Nakamura, Suzuki, Inamoto (71. K. Nakamura), Endo - Yano (74. Maki), T. Tanaka (71. Matsui)